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Die Waise Tiffany wird auf dem Weg ins Kinderhaus ihrer bösen Tante, das von nun an ihr neues Zuhause sein soll, von drei grimmigen Räubern übefallen und entführt. Doch die finsteren Gesellen zeigen sich überrascht, Tiffany hat überhaupt keine Angst vor ihnen. Schnell stellt sich heraus, dass die Banditen an die Falsche geraten sind, denn mit ihrer frechen Art wirbelt das furchtlose Mädchen das Leben der drei Schurken schon bald ganz gehörig durcheinander.
Kritik: Kinderfilme müssen heute nicht immer unbedingt so lebensecht wie möglich animiert sein, um ihre kleinen Zuschauer zu begeistern. Manchmal reicht auch noch der gute alte Zeichentrick. Vor allem dann, wenn dabei eine so schöne und witzige Geschichte erzählt wird, wie die der frechen Tiffany aus Tomi Ungerers Kinderbuchklassiker. Einfach ein Film voller Charme und mit jeder Menge Liebe. [ts]
Juryurteil der FBW: Prädikat besonders wertvoll
Die Kreativen von X-Filme beweisen wieder einmal ihre Klasse: diesmal mit einem Animationsfilm aus Deutschland, der es mit der Weltspitze aufnehmen kann. Schlichtweg genial muss man die filmische Umsetzung des Kinderbuch-Klassikers von Tomi Ungerer nennen. Das ist phantasievoll einfach, effektiv, vielschichtig, höchst amüsant und weder für Kinder noch Erwachsene unter Niveau. Ungerer spricht selbst, und auch die anderen Stimmen sind ein Vergnügen. Eine wahre Wonne, dieser Film.
Eine erfolgreiche literarische Vorlage bedeutet noch lange nicht die Garantie für einen guten Film. Anders im Fall der „Drei Räuber“ des Bilderbuch-Illustrators, Satirikers und Schriftstellers Tomi Ungerer. Sein 1961 erschienener Kinderbuch-Klassiker ist ein Dauerbrenner. Und nun stapfen diese Räuber in ihren blauen Mänteln über die Leinwand und entzücken auch hier durch ihren ein wenig grimmigen Charme und ihr gutes Herz, das unter einer dicken Kutte und einem mächtigen Rauschebart schlägt.
Das Experiment, dieses Bilderbuch in bewegte Bilder umzusetzen, ist vollauf gelungen und kann als deutsche Produktion an der Weltspitze mithalten. Musik, Ton, Farben, Zeichenstil – alles fügt sich auf das Beste zusammen. Mit viel Geduld und Zeit wird die Geschichte von dem kleinen Waisenmädchen Tiffany erzählt, das die Herzen der drei Räuber erobert und später mit ihrer Hilfe aus dem furchtbaren Waisenhaus der bösen „Tante“ ein Haus voller Farben und Freude werden lässt.
Man sieht dem Film die Lust an der Gestaltung an, die sich auch in vielen hübschen Ideen widerspiegelt, darunter das Auftauchen eines Einhorns, das seine Hufe beim Laufen lieblich aus- und einrollt, an einem Baum, der um die Rinde einen schicken Gürtel trägt, an den Lampen an den Bäumen im nächtlichen Wald und an so reizvollen Wortspielen wie dem Begriff „Lösegold“.
Gelungen sind auch die Schauspielerstimmen, die für die animierten Figuren sprechen, darunter Katharina Thalbach und Joachim Król als Räuber Malente. Nicht alles aber ist nur hell und freundlich in diesem spannenden Kinderfilm, der auch Erwachsenen Spaß machen wird: Der Wald ist nachts sehr finster, das Schloss, in dem die furchtbare Tante unbarmherzig regiert, ist ein Ort des Schreckens, und am „schlimmsten“ sind die Maschinen, mit denen die Waisenkindern auf den Feldern Zuckerrüben ernten und pressen müssen, damit die Tante Torten schlemmen kann.
Dieser Kontrast von heiler und unheiler Welt verleiht dem Film noch ein spezielles Element, das auch Märchen auszeichnet: Die Welt kann noch so böse sein – am Ende siegt immer das Gute - und das können selbst Räuber sein. Ein wunderbarer, in sehr verantwortlichen und völlig kindgerechten Portionen erschröcklicher Film, der auf das Beste Bruno Bettelheims These bedient: „Kinder brauchen Märchen“ – und eine gute Geschichte.